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Hanack holt den WM-Titel nach Hanau!

International Leistungssport Titelbild

Erfolgreiche U19/U23 WM für den Hanauer Ruderclub Hassia: Ole Hanack wird U19-Weltmeister im Dopplezweier, Celina Grunwald holt mit Bronze ihre zweite Medaille im U19-Achter nach 2021, Lisa Holbrook wird 7. im U23 Vierer ohne und die Crew von Hassia-Coach Nick Stollenmeyer schrammt mit 0,19 Sekunden hauchdünn an der Bronzemedaille vorbei.

Lago di Varese, Italien – 34°C, leichter Schiebewind, unangenehme Wellen. So präsentierte sich die Weltmeisterschaftsstrecke der U23 und U19 Ruderwelt am 30. und 31. Juli an den beiden Finaltagen. Schnelle Bedingungen, aber keine leichten.

Gleich vier Crews mit Beteiligung des Hanauer Ruderclub Hassia lagen zu den Finals an den Startpontons, gespannt wie ein Flitzebogen, das harte Wintertraining vor Augen, die schweißtreibenden Stunden auf den Ruderergometern, die Tonnen an bewegten Gewichten im Kraftraum, die unzähligen Kilometer auf dem Main und den Trainingslagern in ganz Europa. All das genau für diesen einen Moment, ein Rennen, einmal 6 bis 7 Minuten, dem eigenen Körper alles abverlangen, auf einer Strecke, die Kraft, Ausdauer und Sprintstärke auf einmal fordert, die das Laktat in die Beine jagt und dem Kopf schon nach sechs-, siebenhundert Metern sagt: hör auf.

 

Ole Hanack hörte nicht auf. Er machte weiter und immer weiter. Mit wuchtigen langen Schlägen schoben er und Jakob Geyer aus Berlin ihren Doppelzweier über die raue Strecke in Varese. Die Türkei war furios gestartet, hatte auf Hanack und Geyer nach den ersten 1000m noch rund drei Sekunden Vorsprung herausgeholt. Doch die beiden Athleten ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst der Kommentatorin fiel die „erwachsene, reife Renntaktik“ auf: am Start das Pulver nicht verschießen, mit Ruhe und Kraft über die Strecke und dann auf der zweiten Hälfte ein Feuerwerk abfackeln. Genau so tat es die Hanau-Berlin-Kombo und begann mit zwei furiosen Spurts ab 1300 Metern „durch das Feld zu schneiden“. Erst passierten sie die Italiener. Bei der 1500-Meter-Marke, Deutschland und die Türkei quasi gleich auf. Noch 0,7 Sekunden Vorsprung für das türkische Team. Doch vor der technischen Finesse Geyers und der unbarmherzigen Physis Hanacks gab es an diesem Finaltag kein Entrinnen. Schlag um Schlag schoben die beiden Deutschen ihren Bugball weiter nach vorne – bis zur Ziellinie. Der Vorsprung: 1,45 Sekunden. Fast eine ganze Bootslänge – und nur drei Sekunden über U19-Weltbestzeit in dieser Bootsklasse! „Ich bin überglücklich. Wir haben uns in jedem Rennen gesteigert und ich hatte einfach Bock. Wir wussten, dass wir das Zeug zu Gold haben. Wir wussten aber auch, dass dafür 100% kommen mussten.“ Einer der Schlüssel zu Hanacks 100%-Erfolg: seine Familie, die zum Support angereist war – inklusive 5 Pfund Haferflocken, 2kg Schokomüsli und 6 Pfund Quark.

Auch Celina Grunwald machte es spannend, schon die ganze Saison. Nach einer Coronainfektion im März kam sie nicht richtig in den Tritt, verpasste wichtige Rennen und konnte ruderisch nicht an ihre Leistungen aus dem Vorjahr anschließen. Ihr Schlüssel zum Erfolg: eine überragende Physis, die ihr das Vertrauen des Bundestrainers bescherte. Der lud sie trotz zweier enttäuschender vierter Plätze auf den Deutschen Meisterschaften zur Mannschaftsbildung nach Berlin ein. Dort überzeugte sie und qualifizierte sich, wie 2021, für den U19 Achter. Das Rennen: ein harter Bord-an-Bord-Kampf zwischen Grunwalds Crew und den Britinnen um die Positionen zwei und drei. Das Boot der Amerikanerinnen fuhr ein souveränes Rennen an der Spitze und holte das verdiente Gold. Noch bei der 1000m-Marke hatten die Deutschen ihren Bugball noch an zweiter Position. Knapp. Zu knapp. Das Boot aus GB drehte auf und konnte Zentimeter für Zentimeter an der deutschen Kombination vorbeifahren und den eigenen Bugball hauchdünn mit 0,48 Sekunden vor den Deutschen ins Zielbringen. Dennoch: für Grunwald ist das keine Enttäuschung. Sie freute sich über die Medaille nach der durchwachsenen Saison. Zurückhaltend, wie es ihre Art ist, schildert sie ihren vollen Einsatz für das Team und zeigte damit, warum sie für jede Mannschaft wertvoll ist, wenn jedes Watt zählt und schon ein unachtsamer Blick zur falschen Seite das Boot zum Kippen und die Geschwindigkeit nach unten bringt: „Wir waren auf der Außenbahn, auf der ich beim Eindrehen nur das Ufer gesehen habe. Also habe ich absolut keinen Plan, wo wir wo im Rennen waren. Ich bin glücklich, dass es für Bronze gereicht hat.“

 

Lisa Holbrooks Finaltag als U23-Athletin war bereits am Samstag angebrochen, wenn auch nicht im A-Finale, dass sie sich erhofft hatte. Die Architekturstudentin hatte ähnlich wie ihre Vereinskameradin Celina Grunwald eine schwierige Saison. Holbrook erwischte es gleich dreifach: Erst Corona, dann eine gebrochene Rippe und dann ein WM-Trainingslager, in dem wegen der Coronainfektion einer Teamkameradin keine Strecken in Renngeschwindigkeit gefahren werden konnten und eine Ersatzfrau einspringen musste. Dennoch: schon die Qualifikation für die U23-WM im Vierer ohne war ein Riesending. Im Halbfinale reichte es dann nicht ganz für das A-Finale der besten sechs und es galt im B-Finale möglichst den 7. Platz anzugreifen. Das tat die Crew um Holbrook souverän und sicherte sich den Sieg mit einem Vorsprung von 4,39 Sekunden vor den zweitplatzierten Spanierinnen. Holbrook ordnete das Ergebnis nach dem Finalrennen ein: „Natürlich war es nicht das, was wir uns von der WM erhofft hatten. Aber wir haben uns in jedem Rennen gesteigert. Das B-Finale zu gewinnen war mir wichtig. Einfach nach der Enttäuschung im Halbfinale noch einmal ein Ausrufezeichen setzen und zeigen, dass man einfach weiter vorne hingehört.“

 

Hassia-Coach Nick Stollenmeyer hatte vom DRV eine besondere Aufgabe bekommen. Nachdem er Ole Hanack und Celina Grunwald über den Winter und die ganze Saison zur U19-WM gebracht hatte, sollte er das neu selektierte Team des U19-Frauen-Vierers-mit Steuermann zusammenbringen. Die harten Wochen im Trainingslager in Berlin-Grünau brachten große Fortschritte und einen Top-Teamspirit. Die junge Crew legte einige schnelle Zeiten hin und ließ für die WM hoffen. Doch der Sport ist unbarmherzig – und die US-Amerikanerinnen waren es mit einer neuen Weltbestzeit ebenso. Das Team von Stollenmeyer ruderte mutig und beherzt, musste jedoch dem hohen Renntempo Tribut zollen. Hinter den USA, Italien und Rumänien fehlten dem Deutschen Team nur 0,19 Sekunden zur Bronzemedaille. „Die Mädels haben einen klasse Job gemacht. Ich bin nicht enttäuscht. Sie haben den Rennplan voll durchgezogen und 250m war der Tank einfach leer. Die Rumäninnen lagen nach 1500 Metern noch hinter uns. Aber auf den letzten 500 Metern sind sie die schnellste Zeit von allen Booten gefahren – im ganzen Rennen. Da muss man Respekt haben und diese Leistung anerkennen.“