Mit den Taschen voller Edelmetall kehren die Ruderinnen und Ruderer des Hanauer
Ruderclub Hassia von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften aus Essen zurück.
Die zahlreichen Fans konnten an einem perfekten Regatta-Wochenende 4 Fahrten
zu Gold und 3 zu Silber bejubeln.
Für Lisa Holbrook, Julian Bothe und Celina Grunwald geht es jetzt sogar erst richtig
los: sie fahren mit der WM-Nominierung des Deutschen Ruderverbandes in der
Tasche zu den Weltmeisterschaften.

 


Doppel-Gold für U23-Europameisterin Lisa Holbrook
Unangefochtene Nummer 1 im Hassia-Lager war wieder einmal die U23-
Europameisterin Lisa Holbrook. Bereits vor 3 Wochen hatte sie sich die Nominierung für
die U23-Weltmeisterschaft, die vom 09.-11.07. in Racice / CZE ausgetragen wird
gesichert. Seitdem befindet sie sich mit ihrem Frauen-Achter im Trainingslager in
Ratzeburg. Aus dem vollen Training heraus nahm die U23-Nationalmannschaft nun an
der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft teil und machte sich über Doppelstarts dabei
gegenseitig Konkurrenz. Erwartungsgemäß stark zeigte sich Lisas WM-Crew im Frauen-
Achter. Mit einem Start-Ziel-Sieg ruderte die Mannschaft zur Goldmedaille. Völlig
überraschend jedoch war die weitere Goldmedaille im Frauen Vierer ohne Steuerfrau,
schließlich war hier auch das für die U23-WM vorgesehene und favorisierte Boot des
Deutschen Ruderverbandes am Start.
Mit einem schnellen Start konnte sich Holbrooks Mannschaft, die aus der Hälfte des
nominierten WM-Achters bestand, gleich zu Beginn des Rennens in Führung legen. Mit
hoher Schlagfrequenz ruderten sich die eigentlichen Achter-Damen beinahe in einen
Rausch. Im Ziel gab es dann selbstverständlich große Freude im Hassia-Lager über den
unerwarteten Titel im Frauen-Vierer, aber auch einige nachdenkliche Blicke bei den
DRV-Verantwortlichen, die den WM-Vierer in den kommenden 2 Wochen nun wieder
auf Kurs bringen müssen.

 

 


 

Gold für Julian Bothe im Leichtgewichts-Doppelvierer
Julian Bothe hat seine U23-WM-Nominierung ebenfalls schon vor 3 Wochen perfekt
gemacht. Er startet auf der U23-WM in Racice im Leichtgewichtsdoppelvierer des
Deutschen Ruderverbandes und befindet sich seit fast 3 Wochen im WM-Trainingslager
in Berlin. Aus dem vollen Training heraus trat die Mannschaft zur Deutschen
Jahrgangsmeisterschaft an und konnte voll überzeugen. Direkt nach dem Start
übernahm die DRV-Crew um Schlagmann Bothe die Führung und baute diese über die
Strecke kontinuierlich aus. Mit mehr als einer Bootslänge Vorsprung fuhr die
Mannschaft zum Titel und kann nun mit Selbstvertrauen den letzten Feinschliff für die
WM in Angriff nehmen, bevor es dann am kommenden Wochenende mit dem gesamten
DRV-Tross nach Racice / CZE geht.



Gold für Jara Herbert, Jacqueline Reitz und Lena Ivanda im U17-Achter
Für ganz große Furore sorgten die Jüngsten im Hassia-Kader: mit dem U17-Achter des
Hessischen Ruderverbandes fuhren Jara Herbert, Jacqueline Reitz und Lena Ivanda zur
Goldmedaille im Juniorinnen-Achter U17. Auch diese Mannschaft startete sehr schnell
und lag bereits nach einem Drittel der Strecke fast eine Länge in Führung. Auf dem
mittleren Teilstück dann hielten die Zuschauer kurz die Luft an. Mit unglaublicher
Geschwindigkeit rauschte die Mannschaft aus Baden-Württemberg heran und wollte

den jungen Hessinnen die Goldmedaille streitig machen. Doch Steuerfrau Tasmia
Talukder aus Offenbach hatte die Crew um ihr Hassia-Mittelschiff gut im Griff. Mit einem
Druck-Spurt zur richtigen Zeit wurde der Angriff abgewehrt und das Team Hessen
ruderte mit einer halben Achterlänge Vorsprung zur Goldmedaille.

 


Silber und WM-Nominierung für Celina Grunwald
Für Celina Grunwald war das Wochenende ein Nerven-Krimi der besonderen Art. Die
17-jährige rudert zwar erst seit kurzer Zeit, konnte aber gleich mit bemerkenswerten
Ergebnissen auf sich aufmerksam machen. Zunächst trat sie mit ihren Partnerinnen aus
Mainz und Passau im Vierer ohne Steuerfrau an. In dieser Bootsklasse wird die
siegreiche Mannschaft für die Junioren-WM nominiert. Daher herrscht vor diesen Finals
immer eine ganz besondere Anspannung, die oftmals auch zu größten Überraschungen –
in den letzten Jahren auch zu Gunsten vieler Hassianerinnen – geführt hat. Und auch
Grunwalds Crew wollte das Unmögliche möglich machen und nach Gold greifen. Dafür
muss es aber vom Start an passen. Nach einem couragierten - aber eben nicht ganz
perfekten – Rennen waren es am Ende 2,5 Sekunden, die zu Gold und zur direkten WM-
Nominierung fehlten. Besonders bitter: mit diesem recht überschaubaren Abstand
reichte es nur für Platz 4.
Der Nerven-Krimi um die WM-Nominierung ging also weiter. Eine Achter-Medaille
musste her. Dann bestanden noch Möglichkeiten über die physische Leistungsfähigkeit
in die Nationalmannschaft aufgenommen zu werden, denn Celina Grunwald ist eine der
stärkeren Ruderinnen Deutschlands.
Bis zum vorletzten Rennen dieser Meisterschaften war also Zittern angesagt. Die
Medaille im Achter kam und es wurde sogar Silber. Aus dem siegreichen Achter waren
bereits alle nominiert. Das muss doch reichen? Um 18:15h mitten auf dem Regattaplatz
und noch mittiger im Gewitterschauer dann die Erlösung. Trainer Volker Lechtenberg
erhielt den Anruf aus der Nominierungskommission: „Celina Grunwald möge sich bitte
Ihre Unterlagen abholen!“
Nun schlägt Celina ein ganz neues Kapitel in ihrer noch jungen Ruderlaufbahn auf. Am
10. Juli, wenn Holbrook und Bothe schon um U23-WM-Medaillen kämpfen, lässt
Grunwald die Heimat für 5 Wochen hinter sich. 4 Wochen Trainingslager in Berlin-
Grünau und eine Woche Junioren-WM in Plovdiv, Bulgarien, stehen seit Sonntag in
ihrem Termin-Kalender.

 


Silber für Ole Hanack im Junioren-Achter
Ole Hanack freut sich nach einer durchwachsenen Saison über Silber im U19-Achter.
Für Ole als einen der stärksten deutschen Junioren wollten die Boote eine Zeit lang nicht
so recht in Schwung kommen. Auf einige Lichtblicke folgten in den Ranglisten-Rennen
des Deutschen Ruderverbandes immer wieder Rückschläge. Mit einem Partner aus Trier
ging es für Hanack zunächst im Zweier um die Medaillen. Doch auch hier setzte sich das
Auf und Ab fort. Zu langsam wurde das Halbfinale vom Start angegangen:
ausgeschieden. Achtungserfolg dann im B-Finale: deutlicher Sieg mit schnellster Zeit,
aber eben nur Platz 7.
Der Befreiungsschlag kam dann im Achter. Inmitten der hochkarätigen Konkurrenz der
für die Junioren-WM nominierten Sportler trat auch der Achter des Süd-Teams an, von
dem - und das ist leider ein Tiefpunkt für das Süd-Team – kein einziger Ruderer für die
Junioren-WM qualifiziert ist. Glücklicherweise ließ sich die Mannschaft davon nicht
beeindrucken und ruderte ein starkes Finalrennen. Lange Zeit rangierte man nur auf
Platz 4, aber auf den letzten 500m zeigte die süddeutsche Renngemeinschaft dann
Moral. Mit einem beherzten Endspurt zogen sie an gleich zwei Booten vorbei und

sicherten sich die Silbermedaille. In dieser Woche entscheidet sich, ob diese
Silbermedaille für Ole noch ein Türöffner zum Nationaltrikot sein kann: im September
wird in München die U19-Europameisterschaft ausgetragen. Diese Nominierungen
stehen noch aus und werden in den kommenden Tagen erwartet.

 


Silber für Simon Gimplinger, Jakob Rastetter und Leonard Rieth im U17-
Doppelvierer

Mit einem der härtesten Final-Rennen vom ganzen Wochenende hat die junge
Doppelvierer-Mannschaft von Trainer Nick Stollenmeyer die Zuschauer verzaubert.
Rastetter, Gimplinger und Stm. Leonard Rieth, die gemeinsam mit Linus Klein
(Offenbach) und Jasper Schulz (Gießen) im Boot saßen, waren bereits im Vorfeld für ihre
offensive Fahrweise bekannt. Und so kam es auch im Finale.
Vom Start weg führte die Mannschaft und baute sich einen deutlichen Vorsprung auf.
Drei weitere Boote klebten ihnen am Heck, die Medaille schien nach 500m trotz
deutlicher Führung noch nicht abgesichert. Das Zittern bei den mitgereisten Eltern auf
der Tribüne schien noch auf dem Regattaplatz unter den Füßen der Trainer spürbar zu
sein. Bei Streckenhälfte dann mussten die Boote aus Baden-Württemberg und Berlin
ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen und fielen deutlich zurück. Doch an der Spitze
entwickelte sich der nächste Ruderkrimi dieser Meisterschaften. Noch führte die
Mannschaft um Schlagmann Rastetter doch das Boot aus Dresden/Leipzig kam Schlag
für Schlag näher. Wenige Schläge vor dem Ziel schob sich die Mannschaft aus Sachsen
knapp am hessischen Boot vorbei. Keine halbe Sekunde trennte die Mannschaften im
Ziel und die mitgereisten Fans freuten sich über die Silbermedaille. Auch wenn die
jungen Ruderer gerne noch ein paar Schläge länger in Führung geblieben wären – was
ihren Gesichtern bei der Siegerehrung durchaus anzusehen war: in dieser Bootsklasse,
die seit Jahren ein Sammelbecken für die besten deutschen Ruderer ist, die deutsche
Spitze mit zu bestimmen, hat hat eine Hassia-Mannschaft seit Jahrzehnten nicht
geschafft. Umso größer darf also bei allen Beteiligten die Freude über diese
herausragende Silbermedaille sein.

 

Tim Moormann trat im U19-Einer gegen sehr starke Konkurrenz an und ruderte mit
guten Rennen auf Rang 12.
Leon Nitsch und Niklas Papenfuß belegten im U17 Vierer mit Steuermann den fünften
Rang.
Laura Bussian schied in Renngemeinschaft mit Limburg im U17 Doppelzweier knapp im
Hoffnungslauf aus. Diese jungen Ruderinnen und Ruderer gehören größtenteils dem
jüngeren Jahrgang ihrer Altersklasse an und konnten wichtige Erfahrungen sammeln,
um dann in 2022 das Treppchen zu erobern.



Empfang an der Hassia
Stefan Buschbeck, 2. Vorsitzender Sport hatte am späten Sonntag Abend beim Empfang
am Bootshaus nur lobende Worte für das gesamte Team parat: „In der Spitze top, das
kennen wir seit Jahren von Euch, aber ganz besonders freut mich auch die Breite, die das
Trainerteam da aufgebaut hat, denn das ist für uns als Verein ganz besonders wichtig.“
Mit 14 Ruderinnen und Ruderern war die Hassia nach Essen gereist. 10 von Ihnen
kehren mit Medaillen heim, gar 5 Sportlerinnen und Sportler mit der goldenen. Diese
Bilanz bestätigt die herausragende Arbeit, die in der Talentschmiede an der
Ochsenwiese seit vielen Jahren geleistet wird.