Während bei Olympia in Paris an diesem Samstag die Ruderwettbewerbe mit der Goldmedaille für Oliver Zeidler im Einer zu Ende gegangen sind, erinnern wir uns gern an die Olympischen Spiele 1972 in München. Die waren nicht nur für Deutschland ein historisches, sportliches Großereignis, sondern auch ein Meilenstein in der Geschichte des Hanauer Ruderclubs Hassia. Inmitten der spannenden Wettkämpfe erlangte der „Bullenvierer“, wie die BILD damals den deutschen Vierer mit Steuermann taufte, durch seinen spektakulären Sieg einen unvergesslichen Platz in der olympischen Geschichte. Besonders stolz sind wir auf unseren Steuermann Uwe Benter, der als Mitglied des Hanauer Ruderclubs Hassia maßgeblich zu diesem Triumph beigetragen hat.
Der „Bullenvierer“ – bestehend aus den Ruderern Hans-Johann Färber, Peter Berger, Gerhard Auer und Alois Bier – hatte sich in der Ruderwelt bereits einen Namen gemacht. Doch es war die perfekte Harmonie zwischen den kräftigen Ruderern und dem strategischen Geschick ihres Steuermanns Uwe Benter, die den entscheidenden Unterschied ausmachte.
Benter, geboren und aufgewachsen in Hanau, hatte seine Ruderlaufbahn beim Hanauer Ruderclub Hassia begonnen und sich schnell als talentierter Steuermann etabliert. Seine Fähigkeit, die Mannschaft präzise durch die anspruchsvollen Rennen zu führen und taktisch kluge Entscheidungen zu treffen, war unverzichtbar.
Am 2. September 1972 trat der „Bullenvierer“ im Finale der Olympischen Spiele an. Die Konkurrenz war stark, doch das deutsche Team zeigte von Beginn an Entschlossenheit und Siegeswillen. Die Devise war: Nach den ersten 1000 Metern darf Mitfavorit DDR auf keinen Fall mehr als eine halbe Bootslänge vorne liegen. Danach sollte der Bullenvierer seine ganze Urgewalt entfalten. Der Plan ging auf. Nach dem Start zog die DDR davon. Aber Benter und seine Kollegen hielten dagegen. Auf dem zweiten Kilometer zogen sie an. Nach 1100 Metern waren sie schon gleichauf. Nach 1500 Metern hatten sie eineinhalb Bootslängen Vorsprung. Im Ziel war es ein ungefährdeter Sieg vor der DDR und der CSSR. Uwe Benter steuerte das Boot mit unglaublicher Präzision, motivierte die Ruderer und hielt die Mannschaft auf Kurs. In einem packenden Finish gelang es dem „Bullenvierer“, sich von den Konkurrenten abzusetzen und mit einer beeindruckenden Leistung die Goldmedaille zu gewinnen. Bis heute bleibt der „Bullenvierer“ ein Symbol für Teamgeist, Entschlossenheit und sportliche Exzellenz. Benters Teamkollege Färber ist übrigens der Großvater von Oliver Zeidler.


1968: HASSIANER ERSTMALS BEI OLYMPIA
Schon im Oktober 1968 wurde in Mexiko für die Hassia ein Traum wahr. Mit Rolf Hartung, Bernhard Hiesinger, Steuermann Lutz Benter (Bruder des Olympiasiegers von 1972, Uwe Benter) und gecoacht von HRCH-Trainerlegende Lutz Grein startete erstmals ein Hassia-Team im National-Trikot bei Olympischen Spielen. Das Boot schaffte die Qualifikation für das Finale in der anspruchsvollen mexikanischen Höhenluft. Am Ende landete das Team auf dem 6. Platz.
